Lehrforschungprojekt: Bürgerschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe in Nordrhein-Westfalen

Lehrforschungprojekt: Öffentliche Sozialforschung: Engagement in der Ruhr-Metropole

Im Zentrum des Lehrforschungsprojekts „öffentliche Sozialforschung: Engagement in der Ruhr-Metropole“ steht eine öffentliche Sozialforschung, die in der Lehre bisher wenig beachtete Formen der gegenseitigen Wissensproduktion von Studierenden und Praktikern im Themenfeld des bürgerschaftlichen Engagements zur Anwendung bringen möchte. Ziel ist es, den Studierenden neue Möglichkeiten der Wissensaneignung und des Wissenstransfers in konkreter Interaktion mit der lokalen Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Studierende sollen im Sinne einer public sociology aktiv an co-evolutionären Lernprozessen zwischen Wissenschaft und Praxis teilhaben, indem sie als SozialwissenschaftlerInnen bürgerschaftliches Engagement nicht nur beobachten und theoretisieren, sondern auch als Interpret und Impulsgeber mitwirken. Dazu sollen Studierende als Teil von Empiriemodulen, Seminar- oder Abschlussarbeiten Interviews (überwiegend qualitative Experten-, narrativ-biografische Interviews) mit Aktiven zu verschiedenen Ausprägungen von sozialem und politischem Engagement führen. Die Studierenden verfassen Fallstudien, die zunächst auf einem Blog und später in einem Buch veröffentlicht werden. An Blog und Blogbuch können weitere WissenschaftlerInnen, Engagierte und weitere Interessierte mitwirken. Außerdem werden die Erkenntnisse auf einem Workshop mit Engagierten, WissenschaftlerInnen und Behörden diskutiert. Durch den partizipatorischen, kollektiven Reflexionsprozess leistet das Projekt einen eigenständigen Beitrag zum Feld der Engagementforschung.

Damit kann das Lehrforschungsprojekt nicht nur den Studierenden neue Wege zum eigenständigen Forschen und Lernen ermöglichen; es leistet darüber hinaus auch einen Beitrag zur Einführung und Stärkung von Ansätzen einer public sociology in der Lehre, die so konzipiert über ein Verständnis von öffentlicher Soziologie als Öffentlichkeitsarbeit oder praxisnaher Begleitforschung hinausgehen.
Weitere Informationen zu Partizipationsmöglichkeiten finden sich auf dem Blog (vgl. Link unten)

Projektphase Teil 1 (April 2016 bis März 2017)

LEHRFORSCHUNGSPROJEKT: BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT IN DER FLÜCHTLINGSHILFE IN NORDRHEIN-WESTFALEN

In dem Forschungsseminar sollen die Studierenden verschiedene Formen des Engagements in der Flüchtlingshilfe in der Region untersuchen. Bürgerschaftliches Engagement ist eine zentrale Form der Selbstorganisation der Zivilgesellschaft mit dem normativen Anspruch, gesellschaftlichen Zusammenhang und das Gemeinwohl zu fördern. So ist es kaum verwunderlich, dass bürgerschaftlichem Engagement eine wichtige Rolle in der Bewältigung der sog. Flüchtlingskrise zugeschrieben wird. Ziel des Lehrforschungsprojektes ist es, Motive und Beweggründe für Flüchtlingsengagement auf individueller Ebene ebenso wie Prozesse der Institutionalisierung des Engagements in Vereinen und deren Interaktion mit Behörden und anderen Akteuren in der Flüchtlingspolitik besser zu verstehen und zu erklären. Darüber hinaus interessiert uns die Wirkung des Engagements und zwar insbesondere im Hinblick auf die Engagierten selber, da eigene Lernerfahrungen und Kompetenzerwerb bisher in den vom Thema Integration dominierten Debatten kaum berücksichtigt werden.

Projektphase Teil 2 (April 2017 bis März 2018)

LEHRFORSCHUNGSPROJEKT: ENGAGEMENT IN DER RUHR-METROPOLE ALS ÖFFENTLICHE SOZIALFORSCHUNG

In der zweiten Projektphase widmen wir uns weiteren Facetten des bürgerschaftlichen Engagements. In Kleingruppen werden zum einen politisches Engagement, wie die G20-Demonstrationen in Hamburg, und zum anderen das dem in der ersten Projektphase untersuchtem Flüchtlingsengagement nahestehende Engagement gegen Rechts sowie alternative Engagementpraktiken, die auf eine Selbsttransformation abzielen (z.B. die Foodsharing-Bewegung), erforscht.

Im Vordergrund der Untersuchung stehen Motive und Beweggründe von Engagement, Prozesse der Organisationsgründung und Institutionalisierung sowie Faktoren, die zu einer Reduktion oder Beendigung von Engagement führen.